Der Kultivierungspfad zum Beitritt in die Tian Guo Marching Band

Sehr verehrter Meister!
Liebe Mitpraktizierende!

Mein Name ist Lan und ich wohne derzeit in der Tschechischen Republik. Um einen Beitrag zur Fa-Konferenz zu leisten und meine Kultivierungserfahrungen zu teilen, möchte ich in diesem Bericht auf meinen Weg seit meinem Eintritt in die Tian Guo Marching Band zurückblicken.

1. Der Weg zur Tian Guo Marching Band

Im Jahr 2018 fand die Europäische Fa-Konferenz in der Tschechischen Republik statt und die Band kam nach Prag. Während der Parade und vor der Konferenz meldete ich mich freiwillig, ein Banner für die Gruppe zu tragen. Während der gesamten Parade hörte ich die ganzen Lieder der Marching Band. Die Musik bewegte mich zutiefst und ich bewunderte sie.

Nach der Fa-Konferenz setzte die Band ihre Paradenreise in mehrere Nachbarländer fort. Einige tschechische Praktizierende begleiteten sie, um sie zu unterstützen. Als sie zurückkehrten, erzählten sie uns, dass die Band neue Mitglieder bräuchte. Mehrere von uns waren begeistert und wollten beitreten.

So beschlossen fünf von uns aus der Tschechischen Republik Ende 2018, nach Deutschland zu reisen, um sich bei der Band zu bewerben. Auf dem Weg dorthin waren wir voller Vorfreude. Wir sprachen darüber, dass keiner von uns in der Kindheit ein Musikinstrument gelernt hatte, wir wahrscheinlich keine komplexen Instrumente spielen könnten. Vielleicht aber die Snare Drum (kleine Trommel), die doch sicher einfacher zu erlernen sei.

Als man uns fragte: „Welches Instrument möchtet ihr spielen?“, antworteten alle fünf: „Wir möchten Snare Drum spielen.“

Doch schon im ersten Test, beim Mitklatschen im Takt, bestand nur eine Person und ich war es nicht. Danach probierten wir mehrere Instrumente aus. Am Ende wurde mir und einer weiteren Praktizierenden geraten, Saxophon zu lernen, während die anderen jeweils verschiedene Instrumente erhielten.

Während der drei Tage, die wir bei der Band verbrachten, brachten uns die Musikkoordinatoren Grundlagen der Musiktheorie bei. Mir wurde klar, wie kompliziert das war! Die Noten wirkten schwierig und verwirrend. Die Koordinatoren sagten uns, wir müssten zu Hause einen Musiklehrer finden und ernsthaft lernen.

Auf dem Rückweg war unsere Stimmung völlig anders als auf dem Hinweg. Wir waren besorgt über die Instrumente, die wir zugeteilt bekommen hatten. Wo sollten wir anfangen? Wie sollten wir üben? Können wir das überhaupt schaffen? Aber wir sagten uns: Wir müssen es versuchen!

Anfang 2019 gelang es mir, ein Saxophon zu kaufen. Als ich den Koffer öffnete, wusste ich nicht einmal, wie man es zusammenbaut und richtig hält.

Der erste Schritt war, einen Lehrer zu finden. Ich flog sogar für zwei Wochen nach Vietnam, um Unterricht zu nehmen. Nach 8 bis 10 Tagen hatte ich ein wenig Grundkenntnisse erworben. Mein Lehrer nahm Musteraufnahmen der Marching-Band-Lieder auf, damit ich sie mitnehmen und selbstständig üben konnte, da meine Zeit begrenzt war.

2. Mein Musiklernprozess

Nach meiner Rückkehr in die Tschechische Republik dauerte es eine Weile, bis ich einen Lehrer fand, der bereit war, mich zu Hause zu unterrichten. Ich war sehr glücklich, als er zusagte. Da er wenig Zeit hatte, konnte er mir nur alle ein bis zwei Wochen Unterricht geben.

Als er kam, sagte ich ihm ehrlich, dass ich noch nicht viel könne, aber lernen wolle, diese Stücke zu spielen (ich zeigte ihm die Paraden-Notenblätter). Er sagte mir, ich müsste zunächst die Grundlagen erlernen und dass es mindestens zwei Jahre dauern würde, bis ich diese Stücke spielen könne.

Er unterrichtete mich nach seinem eigenen Anfängerplan. Ich war ungeduldig und wollte so schnell wie möglich mit den Liedern beginnen. Manchmal übte ich die Stücke selbst und bat ihn, sie zu spielen, damit ich mitspielen konnte. Gemeinsam klappte es manchmal, allein machte ich jedoch viele Fehler.

Nach einigen Monaten machte der Lehrer Weihnachts- und Neujahrsferien, dann kam die Corona-Pandemie. Da er ein kleines Kind zu Hause hatte, sagte er mir, er könne den Unterricht nicht fortsetzen.

Danach hörte ich auch auf zu üben. Ich fand es zu schwierig, alleine zu lernen und fürchtete, Fehler zu machen, die ich später nicht mehr korrigieren könnte. Ich beruhigte mich mit dem Gedanken, dass ich ja zumindest weiterhin bei Paraden ein Banner tragen konnte.

Mit zunehmender Arbeitsbelastung vernachlässigte ich das Üben noch mehr. Manchmal hatte ich Schuldgefühle, wenn ich mein Saxophon ansah, nahm es kurz heraus, spielte ein bisschen und stellte es dann wieder weg. Manchmal vergingen zwei bis drei Wochen oder sogar Monate, ohne dass ich es anfasste.

Eines Tages, Ende August 2020, rief mich die Praktizierende an, die mit mir zusammen angefangen hatte Saxophon zu spielen. Sie sagte, sie habe bereits ihre ersten fünf Stücke aufgenommen und eingereicht. Ich dachte: „Wie mutig von ihr“, denn ich wusste, dass sie hauptsächlich allein übte.

Ein paar Tage später sagte sie mir, dass sie bestanden habe und zeigte mir die Nachricht. Ich war wirklich überrascht, dass sie es geschafft hatte! Sie erzählte, dass sie oft um 4 Uhr morgens aufstand, um zu üben.

Ich bewunderte sie sehr und schaute nach innen. Ich erkannte, dass ich falsch gehandelt hatte, indem ich nicht an meine eigenen Fähigkeiten geglaubt hatte und immer von anderen abhängig sein wollte. Stets wartete ich auf einen Lehrer, der mich führte und glaubte, dass es ohne ihn nicht ging.

Ich sah auch viele menschliche Eigensinne, die ich beseitigen musste: den Eigensinn an Prahlerei, Eifersucht und den Gedanken, ich sei fähiger als sie, weil ich mit einem Lehrer ernsthafter gelernt hatte. Trotzdem hatte sie mit weniger Unterricht und Sprachschwierigkeiten (ich musste immer für sie übersetzen) aus eigener Kraft durchgehalten und die erste Prüfung bestanden, um in die Marching Band zu kommen.

Ich schämte mich für meine früheren Gedanken, bewunderte sie sehr und beschloss, mich zu ändern. Ich sagte mir, dass ich eine ganze Woche nichts anderes tun würde, als das Fa zu lernen, die Übungen zu machen und die fünf Stücke zu üben, bis ich sie aufnehmen konnte.

Ich nahm sie schließlich auf, aber wegen meiner Ungeduld und unzureichender Übung erfüllten sie noch nicht die Anforderungen. Der Koordinator ermutigte mich, weiter zu üben und vor der nächsten Parade die Stücke erneut aufzunehmen.

Doch die Doppelbelastung durch Arbeit und Üben ließ mich nur wenig Fortschritte machen und ich bestand wieder nicht. Dennoch durfte ich am nächsten Tag bei einem lokalen Auftritt mit der Band spielen. Dies war bei der Parade in Wien im September 2020.

Nach dieser Veranstaltung, die auch die letzte des Jahres war, ließ mein Übereifer wieder nach. Erst im August 2021 reichte ich die Aufnahmen der fünf erforderlichen Stücke ein, bestand und wurde offizielles Mitglied. Von da an trug ich keine Banner mehr.

Doch diese fünf Stücke sind nur die Eintrittsvoraussetzung. Sechs weitere Stücke konnte ich noch nicht gut spielen. Sie waren deutlich schwieriger.

Ich erkannte, dass ein Lehrer wichtig ist, aber auch das Üben ohne Lehrer. Ich fragte bei drei Musikschulen in meiner Stadt nach Unterricht. Einige nahmen nur Kinder auf, andere gaben Kindern Vorrang.

Die dritte Schule erlaubte mir, mich zu Schuljahresbeginn einzuschreiben. Da ein fester Stundenplan aber schlecht zu meiner Arbeit passte, bat ich, den Lehrer direkt zu treffen. Ich erklärte meine Situation und glücklicherweise erklärte er sich bereit, mich in seiner Freizeit zu unterrichten.

Ich war überrascht, dass dieser Lehrer oft verärgert reagierte und mich sogar beschimpfte, wenn ich Fehler machte. Dazu kam noch, dass ich ständig Fehler machte. Zuerst dachte ich: „Wie kann ein Musiklehrer so sein?“ Aber dann schaute ich nach innen und erinnerte mich daran, dass mein schlechtes Spielen der Auslöser war. Ich musste es ertragen und weiter üben. Schließlich war es schwierig, überhaupt einen Lehrer zu finden.

Einmal schimpfte er so sehr und rief: „Spiel es nochmal!“ Ich war so aufgewühlt, dass ich mich nicht mehr konzentrieren konnte und begann zu weinen. Ich sagte zu ihm: „Lehrer, ich möchte wirklich lernen. Ich bin hier, um zu lernen und nicht aus Spaß. Ich weiß, dass ich Fehler mache, aber ich kann sie nicht sofort beheben.“

Als er mich weinen sah, war er erschrocken und entschuldigte sich. Er erklärte, dass er familiäre Probleme habe und daran gewöhnt sei, Kinder so zu unterrichten. Er versprach, mich nicht mehr so anzuschreien. Ich ermutigte mich, weiterzumachen.

Schließlich endete dieser Unterricht, weil er die Schule verließ und ich stand wieder ohne Lehrer da.

Später, durch das Arrangement des Meisters, stellte mir ein Freund einen Online-Lehrer aus Vietnam vor. Er verstand die Situation berufstätiger Erwachsener sehr gut. Wann immer ich Zeit hatte, war er bereit zu unterrichten. Er korrigierte geduldig meine Fehler und brachte mir die richtigen Ansatz- und Atemtechniken bei.

Ich wollte unbedingt vermeiden, dass sich frühere Situationen bei Bandproben wiederholten, in denen ich falsch spielte oder aus dem Takt geriet und die ganze Gruppe störte. Manchmal wurden andere Praktizierende und ich gebeten, separat zu üben, bis wir wieder gut genug waren, um mit der Band zu spielen.

3. Was ich erreicht habe und was nicht.

Seit meines Eintritts in die Band habe ich meinen Arbeitsplan so angepasst, dass ich so oft wie möglich an Trainings und Paraden teilnehmen kann. Ich habe die Stücke auswendig gelernt und bin während der Paraden nicht mehr nervös. Selbst wenn ich in der ersten Reihe bei den Standaufführungen stehe, fühle ich mich sicherer.

Doch ich muss weiter hart an meiner Technik arbeiten, um präziser und schöner zu spielen.

Musik zu lernen ist nicht leicht. Es erfordert Ausdauer, so wie tägliches Fa-Lernen und Übungen machen. Wenn wir es nicht priorisieren, wird der Alltag die Kultivierung stören.

Ich machte den Fehler, alltägliche Arbeit stets über das Üben zu stellen, in der Annahme, dass ich nach getaner Arbeit entspannter und besser spielen würde. Aber das funktionierte nie: Kaum dachte ich, ich sei fertig, kamen neue unerwartete Aufgaben. Ich verschob das Üben immer wieder auf „morgen“, was sich oft wiederholte und womit ich meinen Fortschritt stark verzögerte.

Jetzt habe ich wirklich erkannt: Da ich ein Mitglied der Band bin, ist das Saxophonüben Teil meiner Kultivierung. Wenn ich nicht fleißig bin, werden Störungen kommen und meinen Fortschritt behindern.

Ich darf nicht auf die „Kultivierung nach der Pensionierung“ warten (Essentielles für weitere Fortschritte I). Genau so war mein veraltertes Denken: erst die Arbeit, dann die Kultivierung. Diesen Eigensinn muss ich beseitigen.

Wenn ich das Üben mit aufrichtigen Gedanken an die richtige Stelle setze, werde ich sicher Erfolg haben.

Ich möchte das Gedicht des Meisters aus „Gnade von Meister und Jünger“ (Hong Yin II) zitieren:

“Wenn aufrichtiger Gedanke der Jünger ausreicht

Der Meister hat die Kraft, zum Himmel zurückzuführen”

4. Schluss

Ich werde mein Musiküben ernst nehmen, um besser und schöner spielen zu können und mehr zur Unterstützung des Meisters bei der Errettung der Lebewesen beizutragen.

Ich danke dem Meister aufrichtig für die barmherzige Anordnung, Mitglied der Band zu werden.

Ich danke auch dem Bandleiter, den Musikkoordinatoren und allen Mitpraktizierenden für ihre freundliche Hilfe.

Es fühlt sich wirklich wie eine große Familie an. Die Tage mit der Band, ob beim Fa-Lernen, Übungen machen, bei den Musikproben, dem Austausch und der Wahrheitsklärung, waren voller Freude und Glück.

Dies entspricht meinem derzeitigen Verständnis. Wenn etwas nicht im Einklang mit dem Fa ist, bitte ich um barmherzige Hinweise.

Vielen Dank, verehrter Meister! Vielen Dank, liebe Mitpraktizierende!

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