Früher gab es bei den amerikanischen Fa-Konferenzen Auftritte einer Art internationalen Marching Band. Das waren Praktizierende, zusammengewürfelt von verschiedenen Bands aus der ganzen Welt. Neben ein paar anderen Mitgliedern aus der europäischen Band nahm auch ich daran teil. Ich schätzte die Teilnahme bei der internationalen Band, weil dort viel Wert auf die Blechbläser gelegt wurde, die mit ihrem Sound eine Art Grundlage für die gesamte Band zu schaffen schienen. Es gab allein bei meinem Instrument sechs Reihen á sechs Personen.
Da ich dort eines der wenigen westlichen Bandmitglieder war, sollte ich stets am Rand gehen, oftmals in der ersten Reihe unserer Instrumentengruppe. Im Gegensatz dazu war ich in der europäischen Tianguo Band ganz alleine als Bariton und überhaupt war die Bassgruppe vergleichsweise sehr spärlich besetzt. Während der Trainings wurde nur von den Euphonien gesprochen, aber nie vom Bariton. Es kam mir vor, als sei es vollkommen unwichtig, ob ich mit dem Bariton mitspielte oder nicht. Und es gab meiner Wahrnehmung nach von den Koordinatoren keine Bemühungen, die Situation in der Baritongruppe zu ändern. So gefiel mir das Spielen in den USA immer besser und ich machte bei der europäischen Band hauptsächlich deswegen mit, um in Amerika mitzuspielen.
Dass meine Einstellung zur europäischen Band und meine Unzufriedenheit nicht richtig war, wurde mir daraufhin aufgezeigt: Nach ein paar Jahren wurden bei der europäischen Band erstmals Prüfungen eingeführt. Dass ich bei der europäischen Band nicht mehr teilnehmen könnte, störte mich weniger als das Nicht-Teilnehmen in den USA. Die damalige Koordinatorin der Blechbläser, die selbst in Amerika mitgespielt hatte, übte mit uns in Hamburg. Sie prüfte mich als allerersten, da sie fand, dass ich recht gut spielte. Weil ihr die Tragweite der Prüfung nicht klar war, stellte sie für mich unerfüllbare Anforderungen und ich fiel durch.
Später sagte sie noch, dass sie sich auch selbst hätte durchfallen lassen. Es ginge ihr darum, Möglichkeiten zur Verbesserungen aufzuzeigen und mich anzuspornen, besser zu werden. Als eine andere Praktizierende und ich mit ihr über die Folgen einer nicht bestandenen Prüfung sprachen, wiederholte sie mehrmals, dass die Prüfung nichts mit der Teilnahme in den USA zu tun hätte; ich sei gut genug dafür und könne daran teilnehmen. Als ihr mehrere Praktizierende sagten, dass das der Hauptkoordinator anders dargestellt hatte, wurde sie unsicher. Doch nahm sie ihre Entscheidung nicht zurück. Stattdessen ließ sie alle anderen bei der Prüfung durch, egal wie sie spielten.
Ich empfand das als sehr ungerecht. Da ich ohnehin unzufrieden mit der europäischen Band war, sah ich meine Gelegenheit gekommen, mit der Band aufzuhören. Angesichts dieser Umstände wussten auch andere Mitglieder der Bassgruppe nichts mehr zu sagen, die mich sonst immer ermutigt hatten, weiter durchzuhalten. Doch als ich den Entschluss in die Tat umsetzen wollte, bekam ich einen Hinweis vom Meister: Vor meinem inneren Auge sah ich, dass meine unzufriedenen Gedanken schwarze Schwaden in meinem Kopf waren und ich erkannte, dass ich in der Kultivierung nachlassen würde und am Ende vielleicht sogar ganz mit der Kultivierung aufhören könnte. Denn es ist ein Dafa-Projekt, keine normale Band und somit eng mit meiner Kultivierung verbunden. Die Prüfung war also ernsthaft.
Der Meister schreibt im Jingwen “Essentielles für weitere Fortschrittte - Vertiefendes Verständnis”
“Ich habe eigentlich schon klar genug über die Buddha-Natur und die Dämon-Natur gesprochen. Die Prüfungen, die ihr durchlauft, sind dazu gedacht, eure Dämon-Natur zu beseitigen. Dennoch habt ihr immer wieder verschiedene Ausreden oder habt sogar Dafa benutzt, um sie zu verbergen; ihr habt eure Xinxing nicht erhöht und eine Gelegenheit nach der anderen verpasst.
Ist euch klar, dass ich, solange ihr Kultivierende seid, in jeder Umgebung und unter allen Umständen jede Trübsal und unerfreuliche Angelegenheit, die euch begegnet – auch wenn sie mit der Arbeit für Dafa verbunden ist, oder egal, wie gut und heilig ihr sie auch findet –, dazu nutzen werde, eure Anhaftungen zu beseitigen und eure Dämon-Natur freizulegen, damit diese beseitigt wird? Denn eure Erhöhung ist das Wichtigste.
Wenn es euch gelingt, euch auf diese Weise zu erhöhen, wird das, was ihr dann mit reinem Herzen macht, das Beste und Heiligste sein.”
Obwohl ich einen Hinweis vom Meister bekommen hatte, war mir mein zu Grunde liegender Eigensinn damals noch nicht klar. Also ging die Prüfung weiter.
Ich nahm den Vorschlag einiger Mitpraktizierenden und der Koordinatorin der Blechbläser an, trotzdem in Amerika teilzunehmen. Doch anders, als erwartet, sah mich der Hauptkoordinator in einem Video von der Veranstaltung und stellte mich bei nächster Gelegenheit zur Rede. Er glaubte nicht, was ich über den Test in Hamburg sagte und riet mir daraufhin immer wieder, mit der Band aufzuhören.
Da er mir die Teilnahme nicht untersagte, wusste ich nach dem Hinweis vom Meister, dass ich, trotz der unangenehmen Situation, nicht aufhören durfte. Es war Teil meiner Kultivierung und es ist eben leidvoll, wenn wir den Eigensinn nicht loslassen. Es folgte ein schwieriges Verhältnis mit dem Hauptkoordinator und eine für mich einzigartige Situation: eigentlich wollte ich von ganzem Herzen mit der Band aufhören, durfte es aber nicht. Stattdessen musste ich es immer besser machen und die Prüfungen bestehen, um weiter dabei zu bleiben.
Erst im Laufe der Jahre wurde mir klar, dass die Geltungssucht meine Unzufriedenheit verursachte. Es dauerte fast ein Jahrzehnt, um diesen Eigensinn allmählich abzuschleifen. Mittlerweile sind wir schon viel mehr Baritone, manchmal sogar mehr als Euphonien.
Neben der Band war ich mehrere Jahre bei der Organisation von Shen Yun in Deutschland involviert. Mein Aufgabenbereich dort wuchs kontinuierlich, bis meine Frau und ich zuletzt die Verantwortung für eine Stadt hatten. Doch mit dem Wechsel des Hauptkoordinators in Deutschland fielen die Aufgaben nach und nach weg. Hatte ich zuvor wegen der vielen Arbeit für Shen Yun viele Sorgen und nur wenig Zeit zum Schlafen, hatte ich danach auf einmal sehr viel Zeit.
Allerdings war mir klar, dass die Zeit der Dafa-Jünger dazu da ist, die drei Dinge gut zu machen und die Wahrheitserklärung ist ein wichtiger Teil davon. Immer wieder machte ich mir Gedanken, wie ich das am besten machen konnte, da ich nicht mehr in das Projekt involviert war.
Hinsichtlich der Teilnahme an Projekten hat der Meister gesagt:
„Jeder Dafa-Jünger, der nicht an Projekten beteiligt ist, muss möglichst Zeit finden, um bei der Errettung der Menschen mitzuwirken. ”( Fa-Erklärung auf der Fa-Konferenz in New York 2016)
und auch:
„Das ist sehr einfach. Bei jedem ist es so, als ob er Theater spielt. Die alten Mächte werden dich auf keinen Fall die Rolle nach deinem Willen spielen lassen. Sie würden sicherlich all das arrangieren, es gleicht einem Drehbuch. Das heißt also, welchen Zustand dieses Bühnenspiel in welchem geschichtlichen Zeitalter erreichen soll, über was die Menschheit verfügen soll und wie es sein soll, wenn sie diese geschichtliche Periode hinter sich hat bis hin zum Schluss des Fa-Erhaltens, welchen Nutzen es für das Fa-Erhalten hat, so haben sie das arrangiert. Deswegen laufen sehr viele Sachen nicht nach menschlichem Willen.“ (Fa-Erläuterung auf der Fa-Konferenz im Großraum New York, 2003)
Aus dieser Fa-Erklärung war mir klar, dass man nicht bei jedem Projekt mitmachen darf, so wie man es möchte. Alles wird von Gottheiten und vom Meister arrangiert. Gleichzeitig darf man auch nicht an einem bestimmten Projekt oder überhaupt an Projekten festhalten, sondern muss die Zeit zur Errettung der Lebewesen schätzen.
Somit ging ich, wann immer es mir möglich war, zum Konsulat oder zum Infotag und verteilte Zeitungen in Briefkästen. Da meine Frau andere Projekte bekommen hatte, musste ich mich allein aufraffen. Das erforderte viel Disziplin. Da die Band als einziges Dafa-Projekt übrig geblieben war, lernte ich sie in einem anderen Licht wahrzunehmen: Ich kann bei größeren Aktivitäten viele Menschen über Musik erreichen. Seitdem bin ich dankbar und schätze diese Gelegenheit zur Kultivierung und Wahrheitserklärung. Mir wurde dadurch klar, wie kostbar es ist, an Projekten der Fa-Berichtigung teilnehmen zu dürfen.
Ein weiteres einschneidendes Erlebnis war der Auftritt in London in diesem Jahr. Wir hatten einen Billigflug ohne Aufgabe-Gepäck gebucht und unsere Instrumente für den Transport mit einem Transporter nach London angemeldet. Da der Auftritt in Bielefeld, wo wir die Instrumente ursprünglich abgeben sollten, ausfiel, mussten wir unsere Instrumente in Berlin aufgeben.
Da ich kein Ersatzinstrument habe, konnte ich zwei volle Monate nicht üben. Ich machte mir keine weiteren Gedanken und nahm es auf die leichte Schulter. Doch mein Spiel in London war eine Katastrophe. Dabei waren die Kosten für den Auftritt für zwei Personen mit rund 1.000 Euro nicht gerade billig. Als ich mir danach überlegte, was ich daraus lernen sollte, wurde mir klar: Ich gehe mit meinen Ressourcen nicht verantwortungsvoll um. Wenn ich schon so viel Geld ausgebe, soll ich auch gut spielen. Zudem ist es verantwortungslos, mit Dafa-Ressourcen leichtfertig umzugehen. Seitdem nehme ich das Üben ernst und versuche auch die Lücken zu schließen, die ich schon seit vielen Jahren habe.
Ich danke dem Meister und meinen Mitpraktizierenden. Bitte weißt mich auf meine Lücken hin.
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